12.11.2009 19:41:55

Mittwoch, 11.November 2009 ( Sächsische Zeitung)

Stadt macht Windbergarena-Halle dicht



Domokos Szabó

Das Gebäude sei baufällig, so das Rathaus. Die Party „Future Trance“ und andere Veranstaltungen müssen offenbar abgesagt werden.




Große Partys in der Windbergarena (hier Sunshine live im vergangenen Jahr) sind ab sofort tabu. Die Stadt Freital ließ die Halle der Döhlener Partystätte sperren. Besucher könnten sich durch herabfallende Dachteile verletzen. Archivfoto: Eric Münch
Freital - Freitals größte Partystätte mit morbidem Charme ist dicht. Die Stadt ließ die Halle der Windbergarena in Döhlen vergangene Woche baupolizeilich sperren. Entsprechende SZ-Informationen hat gestern Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) bestätigt. Zu groß sei die Gefahr, dass Besucher der ehemaligen Fabrikhalle durch herabfallende Dachteile oder Glasscheiben verletzt werden könnten. „Die Situation ist immer schlimmer geworden. Wir könnten das Dach nur mit Riesenaufwand sichern“, sagte Mättig. Nicht betroffen sind von der Schließung die Melkus-Kartbahn sowie die Windbergarena-Lounge, die sich in einem Nebengebäude bzw. auf einem abgetrennten Areal befinden.

Aus Sicht von Veranstaltern kommt die Sperrung der Arena zu einer Zeit, die unpassender nicht sein könnte. Läuft doch derzeit der Countdown für eine Großveranstaltung, die mehrere tausend Gäste nach Freital locken sollte. Bei „Future Trance“ wollten am 28. November sechs DJs die Mengen in extatische Zustände versetzen, für Live-Auftritte wurden die Bands R.I.O. und Italo-Brothers gebucht.

Organisator Thomas Röpke ist fassungslos. „Seit viereinhalb Jahren funktioniert alles und jetzt das“, sagte er. Bis jetzt seien Hunderte von Karten verkauft worden, Röpke hält 3 000 bis 4 000 Gäste für realistisch. Bereits die früheren Sunshine-Live-Partys hätten sich als Publikumsmagnet erwiesen. Ob gegen das Rathaus juristisch vorgegangen werden soll, hielt Röpke jedoch offen. Oberbürgermeister Klaus Mättig sieht sich jedenfalls nicht in der Pflicht. Ausweichmöglichkeiten könne die Stadt sowieso nicht anbieten, und die Risiken rund um die Windbergarena seien allen bekannt gewesen. Deshalb hätten alle Verträge unter Vorbehalt gestanden – nun muss damit der Veranstalter klarkommen.

Arena-Chef Uwe Jonas verwies darauf, dass kleinere Veranstaltungen wie Cityflohmarkt oder die Kinderartikelbörse weiterhin möglich sind. „Sie können in die Lounge oder in die Gänge verlegt werden“, sagte er. Jonas geht davon aus, dass Lounge, Spiegelsaal und Kleiner Saal auch 2010 zur Verfügung stehen.

Das A-Wort ist schon gefallen



So überraschend die Schließung der Haupthalle kommt, der Ausstieg aus dem Projekt Windbergarena hat schon längst begonnen. Bereits als der Rat im Frühjahr 2008 zwei Studien zu Nutzungsmöglichkeiten des Döhlener Komplexes in Auftrag gab, war klar, dass hinter dem Vorhaben „Jugend- und Freizeithalle“ große Fragezeichen stehen. Verschärft wird die Situation heute durch Wirtschaftskrise und fehlende Steuereinnahmen, von mangelnden Perspektiven auf Fördermittel ganz zu schweigen. Das erklärt das Vorpreschen des Stadtoberhaupts, das vor einigen Tagen zum ersten Mal vorsichtig das Wort Abriss in den Mund nahm. Der Einladung zu „Future Trance“ können nun allenfalls Anhänger des schwarzen Humors etwas abgewinnen. Noch gestern war im Internet zu lesen: „Am 28.11.09 gibt es keine andere Chance, als den Weg nach Freital aufzusuchen und zu raven (…) bis der Boden bebt.“




















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